Der Schießplatz im Steinfeld (Felixdorf) feuert heuer sein 175. Bestehen. Mehrere Veranstaltungen werden sich dem Übungs- und Schießversuchsplatz im Jubiläumsjahr widmen. Im Fokus der Auftaktveranstaltung stand das Sturmgewehr 77 (StG 77, Steyr AUG) von Steyr Arms. Militär Aktuell war unter den geladenen Gästen.

Gastgeber Brigadier Michael Janisch, Amtsleiter des Amts für Rüstung und Wehrtechnik (-> Die Alleskönner), stellte zu Beginn der Veranstaltung die bewegte Geschichte des bereits seit dem Jahr 1749 genutzten Übungsplatzes nördlich von Wiener Neustadt vor. Die gesamte Region, damals noch kaum bis gar nicht besiedelt, war für lange Zeit wesentlich vom Militär geprägt. Zunächst als Übungsplatz, dann ab 1780 (bis heute!) wurde die weite Ebene auch als Pulver-, Sprengstoff- und Munitionslagerstätte genutzt. Seit 1849 beziehungsweise regelmäßig seit 1854 finden hier auch Schießversuche statt. Einzig die Rüstungsindustrie suchte sich – nach 57 Jahren – mit dem Kriegsende 1945 andere Produktionsstätten.

Durfte bei der Veranstaltung nicht fehlen: Der Pandur von General Dynamics European Land Systems-Steyr. ©Militär Aktuell/Bendl
Durfte bei der Veranstaltung nicht fehlen: Der Pandur von General Dynamics European Land Systems-Steyr.

Ähnlich wie heute, betont Brigadier Janisch, war man auch zu früheren Zeiten oftmals genötigt, sich um eine staatliche Versorgungssicherheit und letztlich eine Resilienz selbst zu bemühen. Die Herstellung von Chemikalien zur Munitionsherstellung – verteilt über Ortschaften wie Sollenau und Neurißhof – rühren von da her. Auch wenn heute sehr viele militärisch genutzte Gebäude nicht mehr bestehen, überdauerten doch einige Zeiten und Kriege.

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Definitiv geblieben ist das StG 77. Bereits Anfang der 1970er-Jahre begann die Entwicklung jenes Sturmgewehrs, das später den Namen „Armee Universal Gewehr” (AUG) bekommen sollte und als Sturmgewehr 77 im Österreichischen Bundesheer eingeführt wurde. Das StG 77 wurde in bedeutender Weise von Impulsen aus dem Bundesheer von der Steyr Daimler Puch AG – heute Steyr Arms – konstruiert und entwickelt (-> Steyr Arms: Wo die Sturmgewehre herkommen). In zahlreichen Beschusstests und Versuchen am Schießplatz im Steinfeld – einer ging gerade noch glimpflich für einen Entwickler aus – entstanden über die Jahre sieben Prototypen.

Ingo Wieser stellte die vielen Entwicklungsschritte des Steyr AUG vor. ©Militär Aktuell/Bendl
Ingo Wieser stellte die vielen Entwicklungsschritte des Steyr AUG vor. Wesentliche Elemente des Stg 77 sind bereits im ersten Prototypen zu erkennen.

Ingo Wieser stieß in der Endphase der Entwicklung des StG 77 als Leiter des Referats Schießversuch Leichte Waffen hinzu und ist heute einer der letzten lebenden Zeitzeugen der Geburtsstunde des Steyr AUG. Er arbeitete an grundlegenden wissenschaftlichen Standards zur Erprobung der Waffen bis hin zur Untersuchung der Wundballistik, also der Wirkung des Geschosses im (menschlichen) Gewebe.

Die Anforderungen an das Nachfolgegewehr StG 58 waren sehr hoch und der Zeitdruck zur Entwicklung war – so Ingo Wieser – enorm. Neben der Festlegung auf ein Kaliber – letztlich wurde es das NATO-Kaliber 5,56 x 45 Millimeter – musste das Gewehr eine hohe Modularität besitzen. Der Ursprungsgedanke bei der Konstruktion des AUG war es, dass bei Bedarf der Austausch der Gehäuse-Gruppe und des Laufs zahlreiche Varianten von einem Waffensystem möglichen sein sollten.

Durfte bei der Veranstaltung nicht fehlen: Der Pandur von General Dynamics European Land Systems-Steyr. ©Militär Aktuell/Bendl
Im Schusskanal: Das StG 77 im scharfen Schuss am Schießplatz im Steinfeld (Felixdorf).

Die Gäste hatten nach den Einführungsvorträgen die Möglichkeit, ihre Schießfertigkeiten mit dem StG 77 A1 im Schusskanal auf 200 Meter unter Beweis zu stellen. Die Ergebnisse auf der elektronischen Auswertung sorgten für so manch erfreutes Lächeln im Gesicht der Schützinnen und Schützen.

Außerdem konnten Steyr-AUG-Prototypen sowie ausländische Kurz- und Langwaffen in der für gewöhnlich nicht öffentlich zugänglichen Referenzwaffensammlung am Schießversuchsplatz in Felixdorf hautnah betrachtet werden. Darunter befinden sich neben einigen historischen Waffen nicht minder seltene Versionen des StG 77 Kdo für das Jagdkommando (-> Vorwärts zu den Jagdkommando-Wurzeln).

Prototypen und besondere Ausführungen der StG 77-Kdo-Modellreihe in der Referenzwaffensammlung am Schießplatz im Steinfeld. ©Militär Aktuell/Bendl
Prototypen und besondere Ausführungen der StG 77-Kdo-Modellreihe in der Referenzwaffensammlung am Schießplatz im Steinfeld.

Den Schritt in die Gegenwart schaffte die Ausstellung aktueller Modelle von Steyr Arms. Umgeben vom Pandur der General Dynamics European Land Systems-Steyr waren im mobilen Stand von Steyr Arms neben Jagdgewehren auch aktuelle Versionen des Steyr AUG-Z A3 auch das schon von so einigen heiß ersehnte Steyr DMR 762 mit dabei. Das DMR-Gewehr wird für den Herbst 2024 erwartet. Auch die neue Version der Steyr Pistole A2 MF war in drei Größen vertreten.

Auch bei den kommenden Veranstaltungen wird im Jubiläumsjahr des Schießplatzes im Steinfeld Tradition und Entwicklung im Fokus stehen. Militär Aktuell wird wieder davon berichten.

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Quelle©Militär Aktuell/Bendl