Oberstleutnant des Generalstabsdienstes Matthias Hintenberger ist stellvertretender Kommandant der Heerestruppenschule. Im Zuge der Übung „Constructor 25” befragten wir ihn zur aktuellen Relevanz dieser Übung angesichts derzeitiger Entwicklungen im Ukraine-Krieg.

Herr Oberstleutnant, die Übung „Constructor”– ist in die Ausbildung der Kaderanwärter sowie des Truppenoffizierslehrgangs integriert. In welchem Ausbildungsabschnitt befinden sich die jungen Soldaten gerade?
Die Kaderanwärter sind am Ende der Kaderanwärterausbildung 2. Davor absolvierten sie die fünfmonatige Kaderanwärterausbildung 1. Nun stehen sie kurz vor der weiteren Ausbildung, der allgemeinen Führungsausbildung, an der Heeresunteroffiziersakademie.

Die Fähnriche wiederum, die die Führung eines Zuges ihrer Waffengattung, also Jäger, Panzer und Panzergrenadier, Artillerie oder Aufklärung übernahmen, stehen am Ende ihrer Ausbildung. Die Fähnriche haben demnächst ihre Prüfungswoche hier in der Waffen- und Fachschule. Im September findet ihre Ausmusterung statt.

Ein Fokus der Übung liegt am Kampf im urbanen Gelände. Welche Herausforderung stellt dieses aus militärischer Sicht dar?
Die wesentliche Herausforderung im urbanen Umfeld ist, dass das Gelände dreidimensional ist. Das bedeutet, dass aus jeder Richtung eine Gefährdung kommen kann, auf die reagiert werden muss: Vom Keller bis zum Dachgeschoß.

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Wie wird dies nun in „Constructor” geübt?
Die Kaderanwärter haben die Grundsatztechniken, sich im urbanen Gelände zu bewegen, im Rahmen ihrer Ausbildung gelernt. Bei der Ausbildungsverlegung „Constructor” werden diese an einem Tag in zumindest zwei Zugsansätzen trainiert.

Oberstleutnant des Generalstabsdienstes Matthias Hintenberger. ©Bundesheer
Oberstleutnant des Generalstabsdienstes Matthias Hintenberger.

In der Übung „Constructor” werden aber auch weitere Schwerpunkte gesetzt, beispielsweise der Grabenkampf.
Richtig. Moderne Kriege werden zwar im Urbanen geführt. Aber, wie uns der Ukraine-Krieg zeigt, sind wesentliche Teile der Verteidigung auch Gräben und befestigte Stellungen. Wir nehmen daher alte Techniken her, die wir schon beherrschten aber an Relevanz verloren hatten, und setzen sie im Graben um, wie beispielsweise Eckentechniken und das Vorgehen im Zwei- und Drei-Mann-Trupp.

Welche Funktion hat ein Graben auch in heutiger Zeit?
Der Graben ist ein wesentliches Element der infanteristischen Verteidigung. Der Infanterist kämpft aus Stellungen. Je besser sie ausgebaut sind, desto mehr Schutz hat er. Eine vollständig ausgebaute Stellung gibt Schutz von vorne, von oben und vor technischen Maßnahmen, wie Drohnen.

Einfache Gräben im dichten Wald, wie wir ihn bei der Übung hier in Bruckneudorf sahen, wäre mit Drohnen ohnehin schwer bis kaum zu bekämpfen, oder?
Umso besser der Bewuchs ist, desto eingeschränkter ist der Einsatz der Drohnen. Fällt der Bewuchs aber beispielsweise durch den massiven Einsatz von Artillerie weg, können sich auch die Drohnen wieder bewegen.

Das war die „Constructor 25“: Kampf im Graben und urbanem Umfeld

Aus der Ukraine erreichen uns täglich Aufnahmen, die taktische und strategische Schlussfolgerungen zulassen – nicht nur für den Kampf im urbanen Umfeld. Wie wird in der Heerestruppenschule Wissen daraus generiert, das dann in die Ausbildung einfließt?
Im Rahmen der Grundlagenarbeit werden die Bilder analysiert und im Rahmen der Ausbildungsbehelfe und Vorschriften umgesetzt. An der Heerestruppenschule haben wir eine eigene Grundlagenabteilung, die für die Erstellung der Vorschriften verantwortlich ist und auch eng mit den Instituten zusammenarbeiten, die in der Ausbildung die Weiterentwicklung vorantreiben. Hierfür kommen Arbeitsgruppen zusammen und arbeiten an Schritten, die sich eng an den normierten Vorschriften orientieren und dadurch rechtskonform sind.

Herr Oberstleutnant, wie schätzen Sie abschließend das derzeitige taktische Vorgehen im Drohnen- und Grabenkampf in der Ukraine ein?
Drohnen sind im Grunde genommen eines von vielen Wirkmitteln. Sie verändern die wesentlichen Gefechtstechniken kaum. Viel eher kommen wieder alte Taktiken zur Geltung, wie die Hutier-Taktik von 1918, bei der nach kurzem Artilleriebeschuss, Sturmtruppen die feindlichen Linien infiltrieren. Wir sehen daher wieder viel mehr Kämpfe im Graben. Ohne dem Wissen, sich dort zu bewähren, geht es nicht.

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