Zu Wochenbeginn startete auf dem ägyptischen Luftwaffenstützpunkt Wadi Abu Rish, etwa 120 Kilometer südlich von Kairo, die ägyptisch-chinesische Luftwaffenübung „Adler der Zivilisation 2025”. Die Übung soll noch bis Anfang Mai andauern und gemeinsame Luftoperationen umfassen – einschließlich des Einsatzes verschiedener Luftfahrzeuge, Planungsübungen und simulierter Luftkampfeinsätze, so ein Sprecher des Kairoer Militärs.
Während Ägypten laut vorliegenden Fotos offenbar nur mit seinen russischen MiG-29M2 vertreten ist – mutmaßlich aufgrund von Vetos aus dem Westen, was den Einsatz modernerer westlicher Jets betrifft –, hat die Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee neben Jägern des Typs Chengdu J-10C auch ein luftgestütztes Frühwarnsystem vom Typ Shaanxi KJ-500 sowie Tank- und Transportflugzeuge vom Typ Yun-20U nach Ägypten verlegt.
Ägypten abermals mit strategischer Neuausrichtung
Pflegte Ägypten in den 1950er- und 1960er-Jahren unter Gamal Abdel Nasser noch enge Beziehungen zur Sowjetunion, begann das Land ab 1970 unter Anwar Sadat eine zaghafte Reorientierung Richtung Westen. Erste Geheimverhandlungen mit der US-Regierung unter Richard Nixon brachten jedoch keine Ergebnisse.
Erst nach der schweren Niederlage Ägyptens im Jom-Kippur-Krieg 1973 sowie in weiterer Folge unter dem Eindruck des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan 1979 war die US-Regierung unter Präsident Jimmy Carter in der Lage, einen historischen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten auszuhandeln, der bis heute Bestand hat.

In der Folge wurde die ägyptische Armee verwestlicht und erhielt eine große Anzahl an US-amerikanischen und europäischen Waffenlieferungen – darunter F-16, Mirage 2000, E-2C Hawkeye sowie M60- und M1-Panzer.

USA, BRICS & Huthis
Schon während der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama begann Ägypten, seine Rüstung zu diversifizieren. Beschränkungen bei der Lieferung von Verteidigungsgütern sowie der Versuch der USA, die innen- und außenpolitischen Entscheidungen Ägyptens zu beeinflussen, führten zur Bestellung russischer MiG-29M2- und französischer Dassault-Rafale-Kampfflugzeuge. Unter der ersten Präsidentschaft Donald Trumps drohten die USA dann mit einer Einschränkung der Militärhilfe und konnten so die eigentlich schon fix geglaubte Beschaffung von Sukhoi Su-35 (-> Erste Bilder von Ägyptens Su-35 aufgetaucht) durch Ägypten verhindern.

Der Angriff der Hamas auf Israel am 8. Oktober 2023 und die darauf folgenden Attacken der Huthis im Jemen auf die Handelsschifffahrt in der Meerenge von Bab al-Mandab und im Golf von Aden hatten desaströse Folgen für die ägyptische Wirtschaft. 2023 verzeichnete der Suezkanal pro Woche rund 500 Passagen und generierte rund zehn Milliarden Euro an Einnahmen. Durch die Angriffe auf die zivile Handelsschifffahrt sanken die Passagen auf derzeit rund 200 pro Woche. 2024 nahm Ägypten weniger als vier Milliarden Euro an Kanalgebühren ein.
All das hatte mutmaßlich Anteil daran, dass sich Ägypten Anfang 2024 dem von Russland geführten BRICS-Wirtschaftsblock anschloss. Im August 2024 schließlich bestellte das ägyptische Verteidigungsministerium chinesische J-10C-Kampfflugzeuge und zeigt auch großes Interesse am chinesischen Stealth-Kampfjet J-35.
Chinas Engagement in Afrika
Während sich Ägypten somit strategisch neu orientiert, erfüllt die Übung für die Volksrepublik China eine ganz andere Rolle. Peking will sich bei der Machtprojektion nicht mehr nur auf Zentral- und Südostasien sowie den pazifischen Raum beschränken.
Die Verlegung von Kampfflugzeugen und Unterstützungselementen wie luftgestützten Frühwarnsystemen und Tankflugzeugen – sowie deren Versorgung mit eigenen Transportflugzeugen – beweist, dass das „Himmlische Reich” nun in der Lage ist, mit schlagkräftigen Kampfgruppen der Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee auch in Afrika zu operieren.
Dies ist eine neuerliche Weiterentwicklung des inzwischen beeindruckenden chinesischen Fußabdrucks auf dem afrikanischen Kontinent. Chinesische Staatsunternehmen finanzieren, bauen oder betreiben mittlerweile 78 Häfen in 32 afrikanischen Ländern. Die Marine der Volksbefreiungsarmee hat zudem in den vergangenen Jahren mehrere afrikanische Häfen auf Goodwill-Basis besucht, um die militärischen Beziehungen zu stärken und ihren wachsenden Einfluss zu demonstrieren. Hinzu kommen chinesische Kredite für zahllose weitere Infrastrukturprojekte in Afrika.
Peking ist in Afrika nicht mit einer Geschichte der Kolonialisierung oder militärischer Interventionen behaftet. Unter diesem Eindruck gelingt es der Volksrepublik China zunehmend, ihren geopolitischen Einfluss in Afrika auszuweiten.









