Erhält die Ukraine nun doch Saab Gripen-Kampfjets? Sagen wir so – wenn ja, dann vermutlich ab 2026. Der JAS-39 Gripen wurde von Kiew nämlich bereits vor dem russischen Großangriff 2022 (-> aktuelle Meldungen aus dem Ukraine-Krieg) als Kandidat für die Modernisierung der ukrainischen Luftwaffe in Betracht gezogen. Und ein im September 2024 von Stockholm angekündigtes Unterstützungspaket in Höhe von gut 400 Millionen Euro enthielt Formulierungen, die eine zukünftige Lieferung des Gripen unterstützen würden.

Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, erklärte im Februar, dass „Verhandlungen über die Übergabe von Gripen der C/D-Klasse an die Ukraine im Gange” seien. „Wir haben mit dem schwedischen Generalstabschef vereinbart, den Dialog über die Erfüllung der Anforderungen der ukrainischen Luftwaffe fortzusetzen – insbesondere über die Bereitstellung schwedischer Flugzeuge.”

Eine Gripen-C bei den Straßentests 2024 – ©Georg Mader
Mit den Gripen-Kampfjets trainierte die schwedische Luftwaffe im vergangenen Jahr den „Straßenbetrieb”.

Schweden wollte F-16-Einführung logistisch nicht erschweren

Auch der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson sprach bereits im Februar 2023 von einer ukrainischen Anfrage nach Gripen-Kampfflugzeugen. Während des Besuchs von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Schweden im August 2023 wurde bekannt, dass ukrainische Piloten angeblich bereits erste Testflüge mit dem Gripen absolviert hätten.

Schweden stellte 2024 jedoch klar, dass es Priorität habe, die logistische Belastung der Ukraine im Zuge der Einführung der von europäischen Staaten gespendeten F-16 nicht weiter zu erhöhen.

Zusätzlich hatte die Ukraine in diesem Jahr auch sechs von möglicherweise zehn französischen Mirage 2000-5 erhalten und bereits eingesetzt. Angesichts der Vielzahl neuer Flugzeugtypen in einem durch den Krieg stark belasteten System war dies ein nachvollziehbares Argument. Dennoch erklärte Minister Jonson am 22. November 2024: „Im letzten Paket waren Ersatzteile für bis zu 14 Gripen enthalten.”

Obwohl Stockholm der erfolgreichen Integration der F-16 Vorrang einräumte, gilt der Gripen aufgrund seiner Mobilität und des geringen logistischen Aufwands als ideale Ergänzung zu F-16, Mirage und den vorhandenen russischen Mustern. Während Kiew mit der Leistung der F-16 im Drohnenabwehreinsatz zufrieden ist, ist der Gripen deutlich wartungsärmer, benötigt weniger Personal und kann auch auf kurzen (870 Meter) oder improvisierten Pisten operieren – etwa beim von Schweden praktizierten Betrieb auf Straßenabschnitten.

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Diese Flexibilität ist ein bedeutender Vorteil, da Flugplätze regelmäßig Ziel russischer Raketenangriffe sind. Einschränkend ist zu sagen, dass der Gripen eine kleinere Auswahl an Waffen tragen kann und Schweden insgesamt nur begrenzte Stückzahlen zur Verfügung stehen. Dennoch halten Fachbeobachter wie Tim Robinson ihn für die derzeit geeignetste Option.

Saab würde Gripen-Lieferung unterstützen

Der Hersteller Saab unterstützt eine mögliche Lieferung jedenfalls. CEO Micael Johansson sagte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz: „Dies wäre ein gutes Signal für die Ukraine, da Russland Tausende Raketen und Gleitbomben auf militärische und zivile Ziele, einschließlich Flugplätzen, abgefeuert hat. Ohne politische Schlüsse vorwegzunehmen, hoffe ich sehr, dass es dazu kommt.” Gleichzeitig betonte er, keinen Einblick in die Entscheidungsprozesse zur Genehmigung einer solchen Lieferung zu haben.

Ein weiterer Hinweis auf die Realisierbarkeit der von Syrskyj erwähnten Verhandlungen liegt darin, dass die schwedische Luftwaffe („Flygvapnet”) neben den geplanten 60 neuen Gripen E auch 60 von 74 älteren C/D-Maschinen modernisieren und 14 ausmustern will. Diese Upgrades, angekündigt Ende 2024, beinhalten das MS20-Block-3-Paket (ab 2026), das Systeme zur elektronischen Kampfführung und Datenverbindungen verbessert. Bis 2028 folgt das MS20-Block-4-Update mit Integration des PS-05/A-Mk4-Radars, welches Reichweite und Präzision erhöht und moderne Waffen besser unterstützt.

Engpässe bei der Ausbildung

Bereits 2023 drängte die Ukraine auf eine Intensivierung der F-16-Pilotenausbildung, da das Programm der US Air National Guard in Tucson (Arizona) nicht genügend Plätze bietet. Die Ukraine meldete 30 Piloten, die sofort mit der Ausbildung beginnen könnten, jedoch teilte die US-Regierung mit, dass maximal zwölf gleichzeitig trainiert werden könnten. Vor der F-16-Ausbildung ist zudem eine Jet-Grundschulung sowie ein fokussierter Englischkurs nötig (nur fünf der ersten Gruppe waren davon befreit).

Die Grundschulung kann auch in NATO-Staaten ohne F-16 erfolgen – etwa im Vereinigten Königreich, das 200 ukrainische Piloten schulen will. Allerdings berichteten auch Einrichtungen in Dänemark und Rumänien 2023 über Engpässe bei Schulungsplätzen. Im Juni 2024 gab Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen jedoch an, dass bis Jahresende etwa 20 ukrainische Piloten auf dem Luftwaffenstützpunkt Skrydstrup ausgebildet würden.

Bezüglich der taktischen Umschulung (OCU) ukrainischer Piloten arbeitet das European F-16 Training Center (EFTC) in Rumänien – ein F-16-Nutzer mit Maschinen aus Norwegen und Portugal – nach Angaben von Defense Romania erst seit Dezember 2024 mit voller Kapazität. Möglich wurde das durch die Spende von 18 F-16 durch die Niederlande und durch Ausbilder von Lockheed Martin.

©Militär Aktuell

Ausbildung bald auch in Tschechien?

Neu hinzu kommt Tschechien: Premierminister Petr Fiala erklärte am 5. Mai, dass auch sein Land bereit sei, ukrainische Kampfpiloten auszubilden – entweder auf Aero L-39 oder F-16, gemeinsam mit Partnerstaaten. Als möglicher Standort wurde der Militärflugplatz Náměšť nad Oslavou genannt. Unklar ist jedoch, ob diese Ausbildung nur die Jet-Grundausbildung betrifft, oder ob nach etwa sechs bis acht Monaten Schulung auf L-39 ein Wechsel zu F-16-Trainingseinheiten – etwa nach Rumänien – vorgesehen ist. Oder ob F-16 aus europäischen Spenden nach Náměšť verlegt würden.

Sollte die Ukraine die 14 ausgemusterten Gripen C/D erhalten, für deren Einsatz Schweden weiterhin offen ist, könnte tschechisches Know-how in der Ausbildung sinnvoll sein. Allerdings wären für eine OCU auf Gripen in Tschechien selbst kaum ausreichend Maschinen verfügbar – auch wegen der reduzierten Flottenstärke durch das geplante Leasing bis 2035.

Zweiter Totalverlust

Der ukrainische Pilot Pawlo Iwanow starb bei dem Abschuss seiner F-16 – ©Portal Obronny
Der ukrainische Pilot Pawlo Iwanow starb bei dem Abschuss seiner F-16.

Am 7. Mai bestätigte die ukrainische Luftwaffe, dass eines ihrer F-16-Kampfflugzeuge am 12. April im Osten des Landes während eines Kampfeinsatzes abgeschossen wurde – der Pilot kam dabei ums Leben.

Es war der zweite Verlust einer F-16 in ukrainischem Einsatz; der erste war ein Absturz im August des Vorjahres, ebenfalls mit tödlichem Ausgang. Die ukrainischen Luftstreitkräfte erklärten: „Der 26-jährige Pawlo Iwanow starb bei einem Kampfeinsatz in einem F-16-Flugzeug. Wir sprechen seiner Familie unser tiefstes Beileid aus. Er fiel im Einsatz für die Verteidigung seines Heimatlandes.”

Quelle©Georg Mader, Portal Obronny