Dieser Tage wurde der erste von insgesamt 25 AW169MA (UH-169D LUH = Light Utility Helicopter) offiziell von Hersteller Leonardo an das Ausbildungszentrum AVES der italienischen Heeresflieger (L’Aviazione dell’Esercito) übergeben.
Die Übergabezeremonie fand in Viterbo im Hangar der 28. Staffel „Tucano” statt – in Anwesenheit des Armee-Stabschefs General des Armeekorps Carmine Masiello, des Leiters der Direktion für Luftfahrtrüstung und Lufttüchtigkeit (DAAA) sowie Gian Piero Cutillo, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Hubschrauber von Leonardo.
Was ist der UH-169D?
Zur Vermeidung von Missverständnissen: Bei der Bezeichnung UH-169D handelt es sich um die italienische Dienstbezeichnung für den AW169MA in der Konfiguration „Multiruolo Avanzato” (Advanced Multirole). Es ist jene Variante mit Kufenkonfiguration, die auch bereits vom Österreichischen Bundesheer, den Carabinieri und der Guardia di Finanza beschafft wurde.
Der UH-169D ist Teil der umfassenden Erneuerung der leichten Helikopterflotte der italienischen Armee und ersetzt mehrere ältere Muster (AB206, AB205, AB212, AB412). Damit setzt Italien künftig auf einen einheitlichen Plattformansatz, der sowohl Betrieb als auch Logistik effizienter gestalten soll.
Struktur der Heeresflieger
Das Kommando der Heeresflieger vereint die Einheiten der dritten Dimension des Heeres – mit Ausnahme der beiden Regimenter der Fliegerbrigade „Friaul”. Es ist verantwortlich für die Ausbildung der Beobachterpiloten sowie für die operationellen Komponenten, die in der Heeresfliegerbrigade gebündelt sind.

Generalstabschef Masiello betonte in seiner Ansprache die Bedeutung dieses Programms „Sie sehen hier das Ergebnis einer sehr wichtigen und dynamischen Synergie, die uns helfen wird, weitere essenzielle Programme zu entwickeln. Unser Ziel ist es, unseren Soldaten nur das Beste zur Verfügung zu stellen – für ihre Sicherheit und Einsatzfähigkeit.”
Auch Leonardo-Geschäftsführer Cutillo unterstrich die Tragweite: „Das LUH-Programm markiert den Beginn einer neuen Ära in Bezug auf Fähigkeiten, technischen Support und Interoperabilität. Es ist Ausdruck einer langjährigen Partnerschaft und wurde an die sich wandelnden Anforderungen moderner Einsatzszenarien angepasst – mit einem klaren Multi-Domain-Ansatz.”
Warum in Weiß?
Auffällig war die weiße Lackierung der ersten Maschine (Taktische Nummer 111), die bei der Übergabe präsentiert wurde. Die Erklärung: Diese ersten vier Hubschrauber sind für den Einsatz bei der UNIFIL-Mission im Libanon bestimmt, konkret für die Italair Task Force. Diese fliegt dort seit 1979 für die Vereinten Nationen. Das aktuelle Inventar stammt vom 2° Reggimento „Sirio” aus Lamezia Terme – einer Einheit, die bereits 2020 als erste Nutzerformation für den „169er” genannt wurde.
Die bisherigen UH-212 der Italair sind technisch am Limit, weshalb sie nun durch neue Maschinen ersetzt werden. Auch deren Lackierung ist dem UN-Einsatz geschuldet – daher weiß statt olivgrün.
Perspektive und Vergleich
Italien setzt mit dem AW169MA auf einen „Single Platform”-Ansatz, um langfristig die alten AB-Modelle vollständig zu ersetzen. In Österreich hingegen wird nach der Ausphasung der Alouette III und OH-58B ein „Zwei Plattform”-Ansatz verfolgt: Neben dem AW169B/MA ist auch der Black Hawk (UH-60L/M) vorgesehen.
Der erste AW169M für Österreich wurde Ende März von italienischen Luftfahrtspottern gesichtet. Obwohl sich Einrüstung und Zulassung der für die Österreicher spezifischen Missionseinrüstungspakete der MA-Version (inklusive Waffenrechner- und Reccesysteme-Sensoren, Tetra, Conrad-Funk, …) hinzieht und man darüber „nicht erfreut” ist, liege das Projekt laut Bundesheer derzeit „vertragsgemäß im Plan”. Man sei mit den bald vollzähligen 12 B-Versionen und dem damit zusammenhängenden Personalaufwuchs sowieso vollauf beschäftigt.

Das Military Type Certificate (MTC) für die italienische MA-Version wurde am 29. Jänner 2025 ausgestellt. Eine Auslieferung der ersten Maschine an Italien im 2. Quartal 2025 war daher erwartet worden. Für die österreichische Konfiguration wird mit einer ersten Lieferung im 4. Quartal 2025 oder zum Jahreswechsel 2025/26 gerechnet.
Die österreichische Seriennummer des ersten AW169MA wird 74009 lauten – zur Einordnung:
- zivile AW169: Seriennummern mit 69xxx
- militärische AW169M (beziehungweise AW169B): mit 72xxx
- AW169MA: mit 74xxx
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