Polen plant den Aufbau einer Streitmacht mit rund 500.000 Soldaten. Die Initiative mit dem Titel „Armee 500” ist als langfristiges strategisches Vorhaben angelegt und soll gemeinsam mit Berufssoldaten, der Territorialverteidigung, Offiziersanwärtern sowie Reservisten umgesetzt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Aufbau einer hoch einsatzbereiten Reserve.

Am 25. Februar 2026 fand im Heeresmuseum Warschau (Muzeum Wojska Polskiego) eine zentrale Lage- und Aufgabenbesprechung der Führung des Verteidigungsministeriums und der polnischen Streitkräfte statt. Daran nahmen unter anderem der Präsident der Republik Polen, Karol Nawrocki, Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sowie der Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte, Wiesław Kukuła, teil.

Kosiniak-Kamysz erklärte, dass die „Armee 500” und die damit verbundene Umgestaltung der Streitkräfte zu den zentralen strategischen Aufgaben Polens gehören. Damit dieses Vorhaben realistisch umgesetzt werden könne, müsse jedoch sichergestellt werden, dass sowohl die Qualität des Dienstes als auch die Attraktivität der Ausbildung – insbesondere für Reservisten – auf höchstem Niveau liegen.

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„Hier haben wir noch eine wichtige Aufgabe vor uns. Einen so starken Fokus auf die Reserve hat es bisher noch nie gegeben”, betonte Kosiniak-Kamysz. Im Zusammenhang mit der weiteren Stärkung der nationalen Sicherheit hob er zudem die rasch voranschreitende Ausstattung der Streitkräfte mit Drohnensystemen hervor.

Fünf Schwerpunkte der polnischen Streitkräfte

Mit Blick auf die für 2026 geplanten Maßnahmen stellte der Chef des Generalstabs, Wiesław Kukuła, die Schwerpunkte der polnischen Streitkräfte vor. Diese berücksichtigen sowohl das internationale Umfeld als auch den Ausbau der nationalen Verteidigungsfähigkeit. Insgesamt benannte der General fünf zentrale Themenfelder.

Erstens: Die Einsatzbereitschaft – also die Fähigkeit, jederzeit unmittelbar auf aktuelle Bedrohungen reagieren zu können – bleibt von entscheidender Bedeutung.

Zweitens: Die Umgestaltung der Streitkräfte sowie langfristige Entwicklungs- und Modernisierungsprojekte sollen konsequent vorangetrieben werden.

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Drittens: Im Rahmen von Kriseneinsätzen im Inland und bei der Unterstützung der Bevölkerung werden weiterhin täglich bis zu 10.000 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt.

Viertens: Einsätze im Rahmen der NATO. Polen konzentriert sich dabei auf die regionale Sicherheit, die eng mit der globalen Sicherheitslage verknüpft ist. „Deshalb müssen wir uns aktiv an allen sicherheitsrelevanten Prozessen weltweit beteiligen und uns weiterhin als verlässliches Mitglied der NATO engagieren”, betonte General Kukuła.

Fünftens: Die Unterstützung der Ukraine. Diese habe im laufenden Jahr einen veränderten Charakter. Im Mittelpunkt stehen nun vor allem die Ausbildung ukrainischer Soldaten, militärische Beratung, die Lieferung und Instandhaltung von Ausrüstung sowie der Betrieb des logistischen Drehkreuzes im südostpolnischen Rzeszów.

Russland als zentrale Bedrohung

Über den Aufbau und die Weiterentwicklung der Streitkräfte von Polen sprach in seiner Rede auch der polnische Präsident Karol Nawrocki. Er verwies des Weiteren darauf, dass das heutige sicherheitspolitische Umfeld – sowohl global als auch regional – eindeutig zeige, dass Russland weiterhin eine reale Bedrohung für Europa und die Welt darstelle. Diese Bedrohung sei sowohl struktureller als auch vielschichtiger Natur.

„Seit Jahrhunderten verfolgt Russland das strategische Ziel, andere Staaten seinen eigenen Interessen zu unterwerfen.“

Karol Nawrocki, polnischer Präsident

 

„Seit Jahrhunderten verfolgt Russland das strategische Ziel, andere Staaten seinen eigenen Interessen zu unterwerfen, ihnen seine antidemokratischen Werte aufzuzwingen und die internationale Ordnung zu destabilisieren. Das heutige Russland strebt – wie alle seine historischen Vorgänger – rücksichtslos danach, seine Einflusssphäre auszubauen und wiederherzustellen, oftmals auf Kosten seiner Nachbarn. Der Krieg gegen die Ukraine ist ein klarer Ausdruck dieser Rückkehr zu einer imperialen Politik”, erklärte Nawrocki.

Dabei handele es sich nach seinen Worten nicht um einen regional begrenzten Konflikt. Aus russischer Sicht sei dieser Krieg vielmehr ein Instrument, um langfristig eigene strategische Interessen durchzusetzen. Der Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte, Wiesław Kukuła, knüpfte an diese Einschätzung an und erklärte, dass sich die sicherheitspolitischen Schlüsselrisiken im Jahr 2025 grundsätzlich nicht verändert hätten. Die wichtigste Quelle regionaler Bedrohungen bleibe weiterhin die Russische Föderation, die konsequent eine langfristige Strategie verfolge und ihren militärischen Fähigkeitsaufbau systematisch fortsetze.

Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sowie der Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte, Wiesław Kukuła, im Heeresmuseum Warschau – ©Polen MoD
Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sowie der Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte, Wiesław Kukuła, im Heeresmuseum Warschau.

General Wiesław Kukuła unterstrich, dass das strategische Vorgehen Russlands im Jahr 2025 weiterhin zwei klaren Denkrichtungen folge. Die erste lasse sich bereits in der Korrespondenz des russischen Außenministers Sergei Lawrow mit der NATO und der Europäischen Union aus den Jahren 2021 und 2022 klar erkennen. Russlands Ziel bleibe demnach, eine weitere Erweiterung der NATO zu verhindern sowie Truppen und militärische Infrastruktur des Bündnisses aus den Staaten Mittel- und Osteuropas zurückzudrängen. Die zweite Denkrichtung betreffe die konkrete Durchsetzung eigener Machtinteressen, vor allem mit militärischen Mitteln.

„Es mag den Anschein haben, dass dieser Ansatz durch die Verluste und die hohen Kosten des Angriffskrieges gegen die Ukraine abgeschwächt worden ist. Unsere eigenen sowie die verbündeten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Russische Föderation gezielt Fähigkeiten für einen konventionellen Krieg gegen die NATO aufbaut und weiterentwickelt,” betonte Kukuła.

©Militär Aktuell

Nach Einschätzung des polnischen Generalstabs werde sich die Vorbereitung auf einen solchen Konflikt sogar deutlich beschleunigen, sobald Russland in der Ukraine aus seiner Sicht akzeptable politische, strategische und operative Ziele erreicht habe.

Hier geht es zu weiteren Berichten rund um die polnischen Streitkräfte und hier zu weiteren Meldungen zum Ukraine-Krieg.

Quelle©Polen MoD